Kurz vor dem Launch am 28. April hat PCGames das zweite Diablo-4-Add-on Lord of Hatred durchgespielt und mit 8,5 von 10 Punkten bewertet – ein Ergebnis, das nach dem gemischten Echo auf den Vorgänger Vessel of Hatred (2024) für Blizzard durchaus als Rehabilitierung gelten kann. Die Erweiterung kostet 40 Euro, enthält dabei aber auch Vessel of Hatred und ist ab Release für PC, PS4, PS5, Xbox One sowie Xbox Series S/X erhältlich; auf dem PC läuft sie sowohl über Battle.net als auch über Steam.
Skovos, Mephisto und ein Finale, das hält, was es verspricht
Das Herzstück der Erweiterung ist die Story-Kampagne, die die sogenannte „Age of Hatred"-Geschichte aus dem Hauptspiel zu einem Abschluss führt. Schauplatz ist diesmal Skovos, eine neue Insel im Südwesten der Spielkarte, die an Nahantu anschließt und laut Test einen ähnlichen Umfang wie das dortige Gebiet bietet. Das griechisch anmutende Setting, ergänzt durch ein finsteres Vulkangebiet, stellt optisch eine deutliche Abwechslung zu den Dschungeln des Vorgänger-Add-ons dar. Im Mittelpunkt stehen die Amazonen, die seit Diablo 2 zwar zur Lore gehören, aber hier erstmals einen wirklich gewichtigen Auftritt bekommen – wenngleich ihre Anführerin Adreaona nach Einschätzung der Tester zu zügig abgehandelt wird. Den Showdown mit Mephisto selbst bezeichnen die Reviewer als stimmungsvollen, überraschend runden Abschluss, der zugleich geschickt den Weg ins Endgame freimacht. Die Hauptquestreihe dauert laut Test rund zehn Spielstunden – etwas länger als Vessel of Hatred.
Storytechnisch erlaubt sich Blizzard allerdings eine Entscheidung, über die sich die Fangemeinde sicher streiten wird: Liliths Rückkehr, die das Studio vorab ankündigte, geht mit einer Charakterentwicklung einher, die im Test als „flotte Kehrtwende" beschrieben wird und nicht vollständig mit der im Hauptspiel etablierten Figur in Einklang steht. Das ist die einzige größere Schwäche einer Kampagne, die im Übrigen mit starken Bosskämpfen, dichten Rendersequenzen und orchestraler Musik punktet – inklusive Themen, die an Diablo 1 und Diablo 2 erinnern.
Hexenmeister, Horadrimwürfel und der Talisman als Endgame-Fundament
Neben der Kampagne bringt Lord of Hatred zwei neue Klassen: den Paladin, der für Vorbesteller bereits zugänglich ist, sowie den Hexenmeister als eigentliche Neuheit. Beide können laut Blizzard direkt bei der neuen Erweiterung einsteigen, ohne die früheren Kampagnen durchgespielt zu haben. Darüber hinaus überarbeitet ein kostenloser Begleitpatch für alle Spieler die Talentbäume sämtlicher Klassen, führt Schwierigkeitsstufen bis Qual 12 ein und hebt das Levelcap auf Stufe 70 an.
Für das Endgame sind vor allem zwei Mechaniken relevant: der Horadrimwürfel, der Rezepte zum Verschmelzen, Aufwerten und Umwandeln von Gegenständen bietet und erst gegen Kampagnenende freigeschaltet wird, sowie der Talisman, ein neues Ausrüstungsslot-System mit bis zu sechs Feldern für passive Boni und – endlich – grüne Set-Gegenstände nach dem Vorbild von Diablo 2. Hinzu kommen zwei neue Endgame-Mechaniken namens Kriegspläne und Echo des Hasses, wobei letztere laut Test als wenig kreativ bewertet wird. Der lang ersehnte Lootfilter ist ebenfalls dabei, muss jedoch zunächst manuell über das Optionsmenü eingerichtet werden.
Was den Preis von 40 Euro betrifft, gibt es einen sachlichen Punkt, den man nicht übersehen sollte: Wer Vessel of Hatred noch nicht besitzt, bekommt es zum selben Preis dazu – ein Paketangebot, das Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger deutlich besser stellt als Bestandsspieler, die das erste Add-on bereits bezahlt haben. Ob Blizzard mittelfristig Letzteren einen Ausgleich anbietet, ist offen. Die Weltkarte des Spiels deutet indessen schon jetzt auf weitere westliche Kontinente hin – womit der Grundstein für ein drittes Add-on oder ein Diablo 5 gelegt scheint, ganz gleich, wie befriedigend dieser Abschluss auch ausfällt.