Wer auf günstigere RAM-Preise hofft, muss nach einer Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Gartner bis mindestens 2028 warten. Grund ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Speicherchips für KI-Infrastruktur, die Produktionskapazitäten bindet und die Preise auf breiter Front hochhält. Für Hersteller außerhalb des KI-Segments drohen laut Gartner bis dahin erhebliche Einbußen beim Absatz, da steigende Komponentenpreise Investitionen in klassische IT-Infrastruktur ausbremsen könnten.

KI-Rechenzentren verdrängen konventionelle Speichernachfrage

Der Boom bei großen Sprachmodellen und KI-Beschleunigern hat den Bedarf an Hochleistungsspeicher – insbesondere HBM (High Bandwidth Memory) – massiv steigen lassen. Diese Speichertechnologie ist essenziell für moderne KI-Systeme, da sie deutlich höhere Datenraten ermöglicht als herkömmlicher DRAM. Chiphersteller wie SK Hynix, Samsung und Micron haben ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf diese margenstärkeren Produkte ausgerichtet, um von der hohen Nachfrage im KI-Sektor zu profitieren.

Die Kehrseite dieser Entwicklung ist eine Verknappung bei Standardspeicher für PCs, klassische Server und Konsumgeräte. Dadurch bleiben Preise hoch, obwohl in anderen Marktsegmenten eigentlich eine Normalisierung erwartet worden wäre. Dieses Phänomen wird in der Branche bereits als „Memflation" diskutiert – eine Kombination aus Memory und Inflation, die die strukturellen Verschiebungen im Markt beschreibt.

Gartner zufolge handelt es sich dabei nicht um einen kurzfristigen Engpass, sondern um eine strukturelle Veränderung der Nachfrage. Die Analysten warnen, dass überteuerte Speicherkomponenten die Nachfrage nach Hardware außerhalb des KI-Bereichs bis 2028 „vernichten oder verzögern" könnten. Besonders betroffen sind Segmente wie Consumer-PCs, klassische Unternehmensserver und Netzwerkinfrastruktur, die nicht direkt von der KI-Investitionswelle profitieren.

Chiphersteller profitieren, der Rest der Branche leidet

Für Speicherhersteller stellt sich die Situation aktuell als vorteilhaft dar. Hohe Preise bei gleichzeitig starker Nachfrage aus dem KI-Sektor sorgen für stabile Umsätze und attraktive Margen. Unternehmen wie Micron Technology haben zuletzt steigende Einnahmen gemeldet, die maßgeblich auf Lieferungen von HBM für KI-Anwendungen zurückzuführen sind. Auch SK Hynix, der weltweit führende Anbieter von HBM, berichtet von einer anhaltend hohen Auslastung seiner Produktionskapazitäten.

Für Unternehmenskunden und Verbraucher außerhalb des KI-Ökosystems ergibt sich hingegen ein gegenteiliges Bild. Wer Server für klassische Anwendungen aufrüsten oder kostengünstige Notebooks erwerben möchte, sieht sich weiterhin mit erhöhten Preisen konfrontiert. Die Verteuerung von Speicher wirkt sich dabei direkt auf die Gesamtpreise von IT-Systemen aus und kann Investitionsentscheidungen verzögern.

Wann kommt die Trendwende?

Ob das Jahr 2028 tatsächlich eine Trendwende markiert, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen insbesondere der Ausbau der Produktionskapazitäten bei Speicherherstellern, die Entwicklung der globalen KI-Investitionen sowie mögliche Veränderungen im Nachfrageverhalten großer Cloud- und Hyperscaler-Unternehmen. Neue Fertigungsanlagen benötigen mehrere Jahre bis zur vollen Auslastung, was kurzfristige Entlastungen unwahrscheinlich macht.

Sollte die Dynamik im KI-Sektor früher nachlassen als erwartet, könnte eine Überkapazität entstehen, die die Preise schneller sinken lässt. Gartner sieht dieses Szenario derzeit jedoch nicht als wahrscheinlich an. Die Prognose bleibt daher eine fundierte, aber nicht risikofreie Einschätzung – wie bei langfristigen Marktanalysen üblich, ist auch sie mit Unsicherheiten behaftet.