Die Hoffnung auf schnell fallende RAM-Preise bekommt einen Dämpfer. Gartner rechnet damit, dass stark steigende Kosten für DRAM und SSDs den PC- und Smartphone-Markt 2026 spürbar belasten. Heise fasst die Lage unter dem Begriff „Memflation“ zusammen und verweist auf die Einschätzung, dass günstigerer Speicher erst ab 2028 realistischer wird. Der Kern des Problems liegt nicht in einer einzelnen Produktgeneration, sondern in der Verlagerung von Fertigungskapazitäten in Richtung KI-Infrastruktur.

Warum KI die Speicherpreise treibt

KI-Beschleuniger und große Rechenzentren brauchen große Mengen an schnellem Speicher. Besonders High Bandwidth Memory ist für moderne KI-Systeme strategisch wichtig, bindet aber Kapazitäten, Investitionen und Fertigungsschritte, die an anderer Stelle fehlen. Gartner erwartet laut offizieller Mitteilung, dass die kombinierten DRAM- und SSD-Preise bis Ende 2026 um 130 Prozent steigen könnten. Dadurch würden PC-Preise im Schnitt um 17 Prozent und Smartphone-Preise um 13 Prozent zulegen.

Für Hersteller entsteht damit ein schwieriges Kalkül. Premiumgeräte können höhere Komponentenkosten eher auffangen, weil Käufer dort ohnehin mehr bezahlen. Einsteigergeräte haben diese Luft kaum. Wenn Speicher einen größeren Anteil an der Stückliste ausmacht, geraten günstige Notebooks, Desktop-PCs und Smartphones schneller unter Druck. Genau dieser Effekt kann dazu führen, dass manche Produkte verschoben, gestrichen oder in teureren Konfigurationen angeboten werden.

Was das für Käufer bedeutet

Für Verbraucher ist die Botschaft nüchtern: Warten auf deutlich günstigere RAM- oder SSD-Preise könnte sich kurzfristig nicht auszahlen. Wer einen Rechner aufrüstet, sollte genauer prüfen, ob mehr Arbeitsspeicher wirklich sofort benötigt wird oder ob eine kleinere, solide Konfiguration ausreicht. Bei Komplettsystemen dürften Hersteller stärker versuchen, den Einstiegspreis über weniger Speicher, kleinere SSDs oder aggressiver segmentierte Modellreihen zu halten.

Auch Unternehmen müssen planen. Flottenkäufe, Entwickler-Workstations und Geräte für Schule oder Verwaltung werden anfälliger für Preissprünge, wenn Speicher nicht mehr als relativ berechenbare Standardkomponente betrachtet werden kann. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage in Richtung teurerer Geräte, weil Premiumsysteme die steigenden Kosten besser absorbieren können.

Für den Handel kann das zudem zu ungewöhnlichen Preisabständen führen. Ein Modell mit mehr RAM oder größerer SSD kann plötzlich deutlich teurer wirken, obwohl sich Prozessor, Display oder Gehäuse kaum unterscheiden. Käufer sollten deshalb nicht nur den Gerätepreis vergleichen, sondern auch die konkrete Speicherausstattung und spätere Aufrüstbarkeit prüfen. Bei verlöteten Notebooks ist diese Entscheidung besonders wichtig, weil ein späterer RAM-Ausbau oft ausgeschlossen ist.

Keine normale Knappheit

Die Lage unterscheidet sich von früheren Speicherzyklen. Damals folgten Preisspitzen häufig auf Über- oder Unterinvestitionen der Hersteller. Jetzt kommt ein zusätzlicher struktureller Faktor hinzu: KI-Rechenzentren konkurrieren direkt mit klassischen Hardwaresegmenten um Speicherkapazität. Solange diese Nachfrage wächst, kann Entspannung länger dauern als in normalen Marktzyklen.

Das bedeutet nicht, dass jede RAM-Kit- oder SSD-Preisliste nur noch steigen wird. Straßenpreise schwanken weiter nach Region, Lagerbestand und Produktklasse. Die Richtung der Marktprognosen ist aber klar: Speicher wird 2026 ein zentraler Kostentreiber bleiben, und die Rückkehr zu spürbar günstigeren Komponenten ist nach aktueller Einschätzung eher ein Thema für die Zeit ab 2028.