Die Erde leuchtet nachts heller als je zuvor – und dieser Trend beschleunigt sich. Eine im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Langzeitstudie hat ergeben, dass die künstliche Aufhellung des Nachthimmels zwischen 2014 und 2024 weltweit um rund 16 Prozent zugenommen hat. Als Datengrundlage dienten Satellitenmessungen, die über ein Jahrzehnt hinweg systematisch ausgewertet wurden. Die Zunahme der Lichtverschmutzung betrifft nicht nur städtische Ballungsräume, sondern auch zuvor kaum beleuchtete Regionen in Südostasien, Afrika und Lateinamerika.

Satellitendaten zeigen globalen Aufwärtstrend

Für die Studie nutzten die Forschenden Aufnahmen des VIIRS-Sensors (Visible Infrared Imaging Radiometer Suite) an Bord des Suomi-NPP-Satelliten der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA. Dieser Sensor misst die nächtliche Abstrahlung von Licht mit hoher Präzision. Die Daten zeigen einen nahezu kontinuierlichen Anstieg der Bodenbeleuchtung, wobei Industriestaaten mit bereits hoher Ausgangshelligkeit im Verhältnis geringere Zuwächse verzeichneten als aufstrebende Volkswirtschaften. China, Indien und Teile Subsahara-Afrikas gehören laut den Satellitenaufnahmen zu den Regionen mit den stärksten absoluten Anstiegen.

Einen gegenläufigen Befund liefert die Studie für bestimmte Gebiete in Europa und Nordamerika: Dort ist die gemessene Abstrahlung in einzelnen Regionen zurückgegangen. Als mögliche Ursache gilt die flächendeckende Umrüstung auf LED-Straßenbeleuchtung. LED-Leuchten emittieren zwar oft mehr blaues Licht, das für Ökosysteme besonders problematisch ist, verbrauchen aber weniger Gesamtenergie – und manche moderne Steuersysteme dimmen sie in den Nachtstunden. Die Forschenden betonen jedoch, dass LED-Technologie allein keine Lösung für die globale Lichtverschmutzung darstellt, solange die schiere Anzahl der Lichtquellen weiter zunimmt.

Folgen für Ökosysteme und menschliche Gesundheit

Lichtverschmutzung gilt als unterschätzter Umweltstressor. Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass künstliches Nachtlicht den Hormonhaushalt von Säugetieren, Insekten und Vögeln stört, Zugvögel desorientiert und marine Ökosysteme an Küstenlinien belastet. Für Menschen besteht ein dokumentierter Zusammenhang zwischen chronischer nächtlicher Lichtexposition und Schlafstörungen sowie erhöhtem Risiko für bestimmte Stoffwechselerkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Schichtarbeit mit Nachtlichtexposition als wahrscheinlich karzinogen ein – ein Hinweis auf die biologische Relevanz auch moderater Lichtbelastung.

Gleichzeitig ist die astronomische Forschung betroffen. Das International Dark-Sky Association (IDA) warnt seit Jahren, dass ein wachsender Anteil der Weltbevölkerung die Milchstraße mit bloßem Auge nicht mehr sehen kann. Nach aktuellen Schätzungen gilt dies für mehr als ein Drittel der Menschheit, darunter fast 80 Prozent der Nordamerikaner und 60 Prozent der Europäer.

Regulierung bleibt fragmentiert

Verbindliche internationale Normen zur Begrenzung von Lichtverschmutzung existieren bislang nicht. Einzelne Länder wie Slowenien oder die Tschechische Republik haben nationale Gesetze zur Außenbeleuchtung eingeführt, ebenso einige US-Bundesstaaten und Kommunen in Deutschland. In der Europäischen Union wird Lichtverschmutzung zwar in umweltpolitischen Berichten erwähnt, eine eigene Richtlinie fehlt jedoch. Die Autoren der aktuellen Studie fordern eine stärkere Einbeziehung von Lichtemissionen in nationale Klimaschutz- und Biodiversitätsstrategien – ein Appell, der in der Politik bislang kaum Widerhall gefunden hat. Ob die neuen Satellitendaten den politischen Druck erhöhen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn die Ergebnisse in die Beratungen zur nächsten EU-Umweltrahmenrichtlinie einfließen sollen.